Carmen Cresta

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Dass ich homosexuell bin, weiss ich seit: Ich wusste schon immer, dass etwas anders ist an mir. Was, wusste ich jedoch nicht. Mit 16 Jahren verliebte ich mich in eine Frau, wollte es aber nicht wahrhaben. Mit 17 Jahren dachte ich, dass diese Phase jetzt schon eine Weile dauert. Das kann wohl keine Phase sein.

Dass ich homosexuell bin, weiss die Öffentlichkeit seit: ich 17 Jahre alt bin.

Das haben meine Eltern gesagt: „Egal ob du Männer oder Frauen magst, hauptsache du bist glücklich.“

Das hat mein Freundeskreis gesagt: „Carmen, du bleibst unsere Freundin.“

Ich hatte einmal einen Freund und: hatte ihn, weil alle einen Freund hatten. Ich hatte ihn schon gerne, aber richtig verliebt war ich nicht.

Erste Freundin: Das war letztes Jahr. Doch eine richtige Beziehung war das nicht. Das ging nur ein halbes Jahr.

Als Homosexuelle eine Partner zu finden, ist: nicht schwieriger als für Heterosexuelle. Für beide gibt es eine gleiche Anzahl passende Menschen, auch wenn es vielleicht weniger Homosexuelle gibt.

Eine Beziehung zu haben ist für mich: Ich hatte noch nie eine richtige Beziehung. Darunter habe ich auch etwas gelitten. Ich fragte mich, warum es bei anderen funktioniert, bei mir jedoch nicht. Vor kurzem ist mir bewusst geworden, dass ich keine Beziehung zu jemanden suche, sondern eine zu mir. Ich bin für mein eigenes Glück verantwortlich, niemand anders.

Homosexuelle sind im Vergleich zu Heterosexuellen: Nichts anderes. Wir sind alle Menschen. Wir wollen alle sicher, frei und glücklich sein.

Das ganze Gerede über Homosexuelle finde ich: erstaunlich. Dass Menschen im Jahr 2016 noch so über die Homosexualität sprechen. Ich wünsche mir, Homosexuelle wären in der Gesellschaft ein fester und „normaler“ Bestandteil, wo Kinder und Jugendliche nicht mehr gemobbt werden, „schwul“ kein Schimpfwort mehr ist und Eltern ihre Kinder so lieben wie sie sind. Leider müssen wir in der Schweiz immer noch um unsere Rechte kämpfen. Wir sind gesetzlich gesehen immer noch benachteiligt.

Das letzte Mal in der Kirche war ich: diesen Oktober in Neapel. Da ging es mir jedoch mehr um die Architektur als um die Religion. Das habe ich von meinem Vater. Er ist Antikschreiner.

Gott ist für mich: Nicht mehr wichtig. Ich hatte eine sehr gläubige Grossmutter. Als Kind betete ich immer, bevor ich ins Bett ging. Mit etwa 17 Jahren habe ich mir gedacht: Ich bete jeden Abend, passieren tut aber irgendwie nichts. Durch eine Fernsehsendung begann ich mich jedoch für den Buddhismus zu interessieren. Der Buddhismus macht für mich mehr Sinn.

Das würde ich Gott fragen, wenn ich ihm begegnen würde: Wenn du mich nicht als Homosexuelle akzeptierst, warum hast du mich so gemacht?

Das letzte Mal, als ich etwas von Gott wollte war: mit 15 Jahren, als sich meine Eltern scheiden liessen. Das war keine schöne Zeit. Ich bat Gott darum, es aufhören zu lassen. Ich konnte damals nicht mehr.

Der Bischof Vitus Huonder ist für mich: zu konservativ eingestellt.

Für mich wünsche ich mir: dass es so bleibt wie es ist. Ich bin glücklich.

 

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