Pascal Pajic

Pascal_Pajic_bearbeitet_1

Als ich realisierte, dass ich homosexuell bin, war das für mich: sehr schlimm. Ich hatte Mühe, mich selber zu akzeptieren. Ich war absolut in der gesellschaftlichen Hegemonie. Ich dachte, es ist etwas Negatives und Abnormales. Ich dachte selber, dass ich nicht so sein darf. Solange ich mich nicht akzeptierte, dachte ich das.

Dass ich homosexuell bin, weiss ich seit: ich ungefähr 12 Jahre alt bin.

Dass ich homosexuell bin, weiss die Öffentlichkeit seit: ich ungefähr 19 Jahre alt bin.

Das haben meine Eltern gesagt: Nichts. Sie haben geweint.

Das hat mein Freundeskreis gesagt: Als ich es meinem besten Freund erzählte, umarmte er mich. Er hat gesagt, dass es absolut Normal und in Ordnung sei. Er konnte nicht glauben, dass ich es so lange für mich behalten habe.

Eine Beziehung zu einer Frau: hatte ich noch nie. Aber sexuellen Kontakt mit einigen Frauen hatte ich schon. Das habe ich nur gemacht, um eine gesellschaftliche Rolle als Heterosexueller zu spielen. Das war sehr eigenartig. Ich wusste, dass ich nicht auf Frauen stehe und es brauchte viel Kopfkino um mit ihnen zu schlafen. Eigentlich gefiel es mir nicht, gemacht habe ich es trotzdem.

Erster Freund: Ich hatte noch nie einen Freund. Das erste Mal mit einem Mann war jedoch sehr viel besser. Ich brauchte kein Kopfkino mehr. Ich konnte ich selber sein und fand es toll. Zu dieser Zeit war ich jedoch noch nicht geoutet und habe es im Geheimen gemacht.

Eine Beziehung zu haben ist für mich: weiss ich nicht, weil ich noch nie eine hatte. Aber ich stelle mir vor, dass man eine sehr starke und tiefe emotioanle Bindung zueinander hat. Zu dieser Person oder zu mehreren Personen kann man einfach sich selber sein. Ich sehne mich jedoch nicht nach einer Beziehung. Ich bin sehr skeptisch gegenüber dem klassisch traditionellen Beziehungsmuster unserer Gesellschaft.

Homosexuelle sind im Vergleich zu Heterosexuellen: Diesen Satz kann ich nicht beenden. Bei Heterosexuellen gibt es eine riesige Bandbreite an Menschen, genauso wie bei den Homosexuellen. Somit sind sie genau gleich.

Das ganze Gerede über Homosexuelle finde ich: wichtig.

Das letzte Mal in der Kirche war ich: vor zwei Jahren in Florenz, als ich in den Ferien war.

Gott ist für mich: ein ideelles Konstrukt, das nicht existiert.

Das würde ich Gott fragen, wenn ich ihm begegnen würde: Die Frage nach der Theodizee. In der christlichen Theologie heisst das: Wieso gibt es Leiden? Gott hat gemäss der christlichen Moraltheologie drei Eigenschaften: allwissend, allmächtig und allgütig. Wieso gibt es dann Leid? Diese Frage würde ich auch gerne einem Bischof oder dem Papst stellen.

Das letzte Mal, als ich etwas von Gott wollte, war: mit 14 Jahren, als ich mir wünschte nicht homosexuell zu sein. Ich betete und flehte ihn an, mich heterosexuell zu machen.

Der Bischof Vitus Huonder ist für mich: ein verstaubtes Fossil. Ich finde es sehr schlimm, dass Männer wie er, immer noch einen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben.

Für mich wünsche ich mir: Energie. Damit ich gegen alles ankämpfen kann, was mich empört.

 

ZURÜCK

Werbeanzeigen